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Japan!

View blog , Özlem Özdemir , 23 jul 2008

http://www.hamburg.emb- japan.go.jp/ kultur/jaeb/ dinfo660.html

Ausgabe 60

Dezember 2001 / Januar 2002

JAPAN auf einenBLICK

Das monatliche Informationsblatt des Japanischen Generalkonsulats in Hamburg

von Özlem Özdemir
Gewinnerin des Aufsatzwettbewerbes des Japanischen Außenministeriums vom Frühjahr 2000
und damit einer Japan-Reise

JAPAN!
Ich brauche nur auf meinen Schreibtisch zu schauen und weiss, genauso sieht es in meinem Innern auch noch aus: wildgewordene Materialien wie z.B. eine Broschüre aus dem Tokyo National Museum, ein Theaterblatt über das Schauspielerensemble des Kabukiza, eine Sammlung von leicht zerknitterten Eintrittskarten, wobei mir gleich das eine Reh auf Miyajima-Island einfällt, das Eintrittskarten als Delikatesse betrachtete und dementsprechend denen und somit uns hinterher war, ja und da sind die ganzen Dias natürlich und ein angefangenes Stück Origami, welches mich wiederum an ein wunderbares Essen mit Japanern erinnert, von denen einer die entzückende Idee hatte, kleine Papierkunststückchen mit uns zu üben, und am Ende zauberte er eigens für mich ein ganz besonders kleines, ein millimeterkleines Vögelchen, womit ich gar nicht wusste wohin damit vor lauter Angst, dass es mir verloren gehen könnte, bis ich die congeniale Idee hatte, es mir in meine Frisur zu stecken und es somit bis zu unserem Hotel, das natürlich wunderbarerweise "Prince Hotel" hiess, spazieren zu führen.....ach und da ist unser kostbarer Zettel mit den "Basic Phrases of Japanese", den wir vom Second West European Division bekommen hatten samt einer kleinen praktischen Einführung in die Aussprache...wie wir dagesessen und im Chor versucht hatten fliessend "konnichiwa, hajimemashite" zu sagen, aber bitte schön mit Ausdruck, besonders das "oishii!" mit ganz viel Ausdruck und das hieß mit hingebungsvoller Melodik in der Stimme und auf diese Weise sprachlich präpariert wurden wir auch ein paar Tage später in unsere Gastfamilien in Hiroshima entlassen, wo ich aber schnell merkte, dass man sich auch stundenlang unterhalten kann, ohne die Wörter zu verstehen...
Ungefähr so angenehm durcheinander sieht es in mir aus und dabei habe ich die Erlebnisse in Kyoto weggelassen, wo wir, erneut ein hautnahes Erlebnis sozusagen, hinter Webstühle gesetzt wurden und weben durften und es auch tatsächlich konnten, aber uns wunderte ja schon gar nichts mehr, schon gar nicht unser lieber Kichermönch Ozeki, der schnell mit uns einen Sutra-Crash-Kurs absolvierte, mit einem ganzen Sortiment von Länderfähnchen parat stand für Erinnerungsfotos und uns ansonsten und vor allen Dingen durch sein eben sehr ausgeprägtes Kichern imponierte...da schon wieder diese Unordnung, aber im Moment ist es noch sehr schwierig alle Begeisterungen, Faszinationen und Entdeckungen zusammenzufassen. Im Moment kann ich nur in mich hineinhorchen und fragen, was mich ganz persönlich nachhaltig beeindruckt hat, denn das steht fest; ich bin nicht mehr das, was ich vor der Reise gewesen war. Jede typisch europäisch kritische Einstellung hinter mich lassend, aber auch jede sentimental-sympathisierende Haltung eines jeden Weltreisenden, glaube ich, dass da etwas eingeschlagen ist auf mich insbesondere während der gemeinsam erlebten Teezeremonie. Ein Satz, den uns unsere Chadodame mitgab lautete: So wie ihr hier zusammengekommen seid unter diesen Umständen, so wird es nie wieder zustande kommen. So einfach und so einleuchtend ist dieser Satz, dass er noch heute in mir wach ist. Er lässt sich auf jedes Leben, auf jeden Tag übertragen. Die liebevoll-aufmerksame Achtung und Wertschätzung des Gegenübers, sei es eine Person oder auch ein Gegenstand während wir "eigentlich nur" Tee getrunken hatten, regte in mir eine neue Einstellung an, die man nicht beschreiben, nur spüren kann. Ich bin dankbar dafür, dass ich dieses Gespür kennenlernen durfte und hoffe nun, dass ich es nie wieder verliere...

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